Andrea Pfeifer

Andrea Pfeifer schreibt über ihre Gedanken und Ängste in der Corona-Krise.

Heute bin ich hin- und her gerissen, ob ich diesen Text mit euch teilen soll. Ich merke, ich habe Angst. Seit gestern nagt sie an meinen Innereien wie ein nervöses Tier.

Die Hetze in den Medien gegen die „Covidioten“ erschreckt mich zutiefst. Es werden Videos von der Demo in Berlin gezeigt, in denen groteske Momente aneinandergereiht und dann als Wahrheit präsentiert werden. Das ist, als würde jemand einen Film über mich drehen und nur die Augenblicke zeigen, in denen ich mich gerade am Hintern kratze oder mit dem Finger in der Nase bohre. Zum Totlachen, nicht wahr?

Ja, so wird das aktuell mit den sogenannten Corona-Leugnern gemacht (By the way: Seht ihr denn nicht, dass der Ausdruck „Leugner“ an sich schon manipulativ ist und die Wahrheit für sich beansprucht?). Die Botschaft ist klar: Diese Bewegung besteht aus lächerlichen, gemeingefährlichen Spinnern und wer sich anschließt, den erwartet die soziale Ächtung. Aber was mich am allermeisten erschreckt: Die Leute fallen tatsächlich drauf rein. Wenn ich die Kommentare unter diesen Videos anschaue, dann wird mir Angst und Bange. Nein, Leute, das ist nicht mehr lustig. Das ist Hetze auf unterstem Mistgabel-Niveau und sie nimmt eine Dynamik an, die mir aufrichtig Sorgen bereitet. Eine leise Ahnung wird plötzlich zur Gewissheit: hier wird ein Krieg geschürt und er wird gezielt, gewollt und geschickt geführt. Wir alle kennen die Mittel, die in Kriegszeiten für Propagandazwecke eingesetzt werden und merken scheinbar trotzdem nicht, wenn sie an uns selber angewandt werden. Und ich frage mich still: Wie weit wird das noch voran getrieben?

Was haben die Hexenverbrennungen und die Judenverfolgungen gemeinsam? Genau. Erst das Volk hat diesen Wahnsinn möglich gemacht. Im Nachhinein haben sie es dann bestimmt gecheckt, nicht wahr? Leider war es dann zu spät. Es geht mir nicht darum, dies gleichzusetzen mit der aktuellen Situation. Davon sind wir zugegebenermaßen weit entfernt. Aber dieses mulmige Gefühl, welches mich befällt, wenn ich die vielfach bejubelte Hetzjagd in den Medien sehe, lässt mich erahnen, wie damals alles angefangen hat.

Die Spaltung, die medial geschürt wird, reicht tief hinein in unser soziales Netz. Ich werde von einigen Nachbarn, mit denen mich bisher immer Respekt verbunden hat, inzwischen nicht mehr gegrüsst. Freunde, die mich vorher ganz besonders für meine kritische Meinung und meine klare Intuition geschätzt haben, wenden sich jetzt von mir ab. Und ja, das lässt mich manchmal zweifeln. Dann frage ich mich, ob ich nicht doch falsch liege. Ich frage mich, warum ich nicht einfach gute Miene zum bösen Spiel und wie alle anderen mitmachen kann, in der Hoffnung, dass so alles schneller wieder gut ist.

Aber dann gehe ich raus, steige in den Zug und sehe die Masken. Ich sehe die Markierungen und die Plakate mit den neuen Regeln. Ich sehe kleine Kinder mit Mundschutz. Ich sehe, wie sich einige Menschen mit dem Gesicht zur Wand stellen, wenn andere unabsichtlich zu nah an ihnen vorbei gehen. Und ich fühle wieder von ganzem Herzen, dass etwas nicht stimmt. Der Medienterror der letzten Monate hat in meinen Augen Sklaven hervorgebracht, die freiwillig den Pfeilen am Boden folgen und die sich – pardon – selber buchstäblich das Maul stopfen. Wie praktisch, oder? Nein. Wie erschreckend.

Am liebsten würde ich sagen: Ich bin dann mal weg. Macht bitte alleine weiter mit eurer keimfreien Zone und mit der Idee, dass die Natur der Feind und Big Pharma die Erlöserin ist. Gebt die Verantwortung für eure Gesundheit ruhig in die Hände eurer Mitmenschen, der Regierung und der Wissenschaft und glaubt, dass wir Pillen und Impfungen und Tests und Regeln und Überwachung und Pfeile und Masken und literweise Desinfektionsmittel brauchen, um als Spezies auf diesem Planeten überleben zu können. Aber so einfach ist es nicht. Ich kann nicht einfach abhauen. Ich werde mit euch diese Sache rocken oder mit euch untergehen.

Was mich zu meinem Traum von letzter Nacht bringt und von dem ich euch noch kurz erzählen möchte, bevor ich diesen vor Positivität sprühenden Text abschließe: In meinem Traum stand die Menschheit auf einem riesigen, kenternden Schiff. Das Meer warf meterhohe Wellen, denn um uns herum wütete ein Sturm. Es sah ziemlich titanic-mässig aus, was nicht verwunderlich ist, da ich mit meiner Tochter tags zuvor über diesen Film gesprochen hatte. Der Grund für das Kentern des Schiffes in meinem Traum war jedoch nicht das Unwetter, sondern der schlichte Umstand, dass zu viele Menschen auf einer Seite des Schiffes standen. Ich stand auf der Seite der Wenigen und sah, wie das Schiff zu kippen drohte. Die Lösung schien einfach, also machte ich einen Schritt auf die Vielen zu, um sie zu bitten, zu uns rüber zu kommen. Das brachte das Schiff aber nur noch mehr in Schieflage und mir blieb nichts anderes übrig, als zurückzuspringen und den Menschen meine Botschaft wild mit den Armen rudernd entgegen zu schreien. Der Sturm jedoch peitschte meine Worte davon und die Menschen auf der anderen Seite verstanden nicht, warum ich sie mit weit aufgerissenen Augen anschrie und zogen sich ängstlich weiter zurück. Da packte mich blindes Entsetzen. Ich wusste, was passieren würde. Und dieses Gefühl lässt mich heute schon den ganzen Tag nicht mehr los.

Können wir das Ruder noch herumreißen? Oder besser: Können wir uns noch in der Mitte treffen? Ich weiss es nicht. Ich möchte an das Gute glauben und die Zukunft in bunten Farben malen. Am liebsten möchte ich eigentlich, dass wir alle aus diesem Albtraum erwachen und einander lachend zurufen: „Erwischt! Haha! War nur ein Scherz!“

Draussen regnet es. Ich sehe, wie die Blumen vor meinem Fenster unberührt von allem um die Wette blühen. Und ich sehe vor meinem inneren Auge wieder das sinkende Schiff vor mir. Beide Bilder haben Kraft. Welches unsere Zukunft bestimmt, liegt an uns, an uns allen gemeinsam.


Ein Gastbeitrag von Andrea Pfeifer

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